Bewegungsstall oder Aktivstall – der Name ist nicht entscheidend
Wer einen Stall für sein Pferd sucht, stößt schnell auf Begriffe wie Bewegungsstall, Aktivstall, HIT-Aktivstall oder Schauer-Bewegungsstall.
Aber was ist eigentlich der Unterschied?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dahinter stecken grundsätzlich verschiedene Formen der Pferdehaltung. In der Praxis liegen die Konzepte jedoch näher beieinander.
Denn entscheidend ist weniger, wie ein Stall heißt, sondern wie er aufgebaut ist, wie er geführt wird und wie gut er auf die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Pferde eingehen kann.
Bewegungsstall und Aktivstall verfolgen dasselbe Ziel
Beide Konzepte wollen Pferden ermöglichen, sich möglichst frei zu bewegen, in einer Herde zu leben und individuell versorgt zu werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- freie Bewegung rund um die Uhr
- Sozialkontakt mit anderen Pferden
- hochwertiges Raufutter
- verschiedene Funktionsbereiche
- eine bedarfsgerechte Versorgung des einzelnen Pferdes
Moderne Technik kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Transponder, Fütterungsautomaten und die dazugehörige Software ermöglichen es, einzelne Pferde zu erkennen und ihre Versorgung individuell zu steuern.
Wo liegt dann der Unterschied?
Ein Teil der Begriffe beschreibt die Haltungsform, andere Bezeichnungen stehen für bestimmte Stall- und Techniksysteme.
Der Begriff HIT-Aktivstall® bezeichnet Stallanlagen, die auf dem Haltungskonzept und der Technik der Firma HIT basieren.
Die Bezeichnung Schauer-Bewegungsstall wird für Bewegungsställe verwendet, die mit Fütterungs- und Steuerungstechnik der Firma Schauer ausgestattet sind.
Beide Systeme können mit Transpondern arbeiten und ermöglichen über ihre jeweilige Software eine individuelle Steuerung der Fütterung. Unterschiede gibt es vor allem bei der technischen Umsetzung einzelner Komponenten.
Für das Pferd ist jedoch etwas anderes entscheidend: Wie gut wird das gesamte Stallkonzept im täglichen Betrieb umgesetzt?
Auch unser Bewegungsstall arbeitet mit moderner Technik
In unserem Bewegungsstall setzen wir Fütterungstechnik von Schauer ein.
Dabei geht es nicht einfach darum, einen Automaten aufzustellen. Über die dazugehörige Software können einzelne Pferde erkannt und individuell versorgt werden.
Für uns waren neben diesen Steuerungsmöglichkeiten auch Zuverlässigkeit und Robustheit wichtige Gründe für die Entscheidung. Unsere Anlagen sind seit mehr als zwölf Jahren täglich im Einsatz. Abgesehen von normalen Verschleißteilen musste bislang keine Komponente aufgrund eines Defekts ausgetauscht werden.
Viele Abläufe der Schauer-Technik werden pneumatisch ausgeführt. Gleichzeitig sorgt die Software dafür, dass die Fütterung für jedes Pferd individuell eingestellt werden kann.
Die Technik schafft damit Möglichkeiten. Wie diese genutzt werden, bleibt Aufgabe des Menschen.
Nicht jedes Pferd braucht dieselbe Versorgung
Ein häufiger Irrtum ist, dass in einem Bewegungsstall jedes Pferd regelmäßig verschiedene Automaten nutzt.
Das stimmt nicht.
Bei uns steht hochwertiges Heu rund um die Uhr an den Heuraufen zur Verfügung. Viele Pferde benötigen deshalb weder zusätzliche Heuzeiten noch Kraftfutter.
Der Heuautomat wird gezielt für einzelne Pferde eingesetzt, die zusätzliche Fresszeiten benötigen.
Auch Kraftfutter erhält nur, wer es tatsächlich braucht. Leichtfuttrige Pferde und Ponys kommen häufig ganz ohne zusätzliches Kraftfutter aus.
Andere Pferde haben einen höheren Bedarf und können entsprechend individuell versorgt werden.
Nicht alle Pferde bekommen dasselbe – sondern jedes Pferd das, was es braucht.
Entscheidend ist das Stallmanagement
Technik kann Futter zuteilen, Zugänge steuern und individuelle Einstellungen verwalten.
Sie beobachtet aber nicht, wie sich ein Pferd innerhalb der Herde entwickelt. Sie erkennt nicht jede Veränderung im Verhalten und entscheidet auch nicht, wann ein Pferd besondere Unterstützung benötigt.
Genau hier beginnt Stallmanagement.
Unsere Erfahrung aus mehr als zwölf Jahren Bewegungsstall zeigt:
Nicht das Pferd entscheidet über den Erfolg einer Integration – entscheidend sind Zeit, Erfahrung, Herdenmanagement und ein Stallkonzept, das auf die individuellen Bedürfnisse jedes Pferdes eingehen kann.
Das betrifft nicht nur die Integration, sondern den gesamten Alltag im Bewegungsstall.
Wenn ein Pferd besondere Bedürfnisse hat
Nicht jedes Pferd bleibt sein ganzes Leben gleich. Alter, Erkrankungen oder andere besondere Anforderungen können dazu führen, dass Haltung und Versorgung angepasst werden müssen.
Bei uns lebt beispielsweise ein Pony mit einer Magenausgangsstörung. Dafür haben wir einen eigenen Bereich geschaffen, in dem es viermal täglich eingeweichte Cobs und dazwischen kleine Heuportionen erhält. So können wir auch bei der notwendigen individuellen Fütterung lange Fresszeiten ermöglichen.
Der Kontakt zu den anderen Pferden bleibt bestehen, und zum täglichen Koppelgang geht das Pony ganz normal gemeinsam mit der Herde.
Auch ein älteres Pferd mit starker Arthrose lebt bei uns in der Herde. Gerade die Möglichkeit, sich über den Tag immer wieder selbstständig zu bewegen, ist für dieses Pferd ein wichtiger Bestandteil seiner Haltung.
Solche Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, ein Haltungskonzept nicht starr zu betrachten, sondern auf Veränderungen beim einzelnen Pferd reagieren zu können.
Integration und Krankheit sind zwei verschiedene Situationen
Für die Integration eines neuen Pferdes steht bei uns eine eigene Integrationsbox zur Verfügung. Sie befindet sich unmittelbar bei der Herde und ist mit etwa 1,50 Meter hohen Trennwänden ausgestattet.
Dadurch bleiben Sicht-, Geruchs- und Sozialkontakt erhalten, während das neue Pferd seine zukünftigen Herdenmitglieder zunächst geschützt kennenlernen kann. Die Annäherung an die Herde kann so Schritt für Schritt erfolgen.
Zusätzlich stehen drei weitere Boxen zur Verfügung, wenn ein Pferd aufgrund einer Verletzung oder Erkrankung vorübergehend eine besondere Unterbringung und Betreuung benötigt.
Auch diese Boxen haben nur etwa 1,50 Meter hohe Trennwände. So können wir dem Pferd die Ruhe und Betreuung geben, die es in dieser Situation braucht, während der Kontakt zu seinen Artgenossen erhalten bleibt.
Was ist nun besser: Bewegungsstall oder Aktivstall?
Diese Frage lässt sich anhand des Namens nicht beantworten.
Viel wichtiger ist, sich anzusehen, was tatsächlich dahintersteht:
Wie viel Bewegung ermöglicht die Anlage? Wie funktioniert die Herde? Wie wird gefüttert? Wie werden neue Pferde integriert? Werden die Pferde täglich beobachtet? Und kann auf unterschiedliche oder sich verändernde Bedürfnisse einzelner Pferde reagiert werden?
Erst diese Punkte zeigen, wie ein Haltungskonzept im Alltag tatsächlich funktioniert.
Unser Fazit
Der Name allein sagt wenig darüber aus, wie ein Pferd in einem Stall tatsächlich lebt.
Technik und Automatisierung können eine moderne Pferdehaltung enorm unterstützen und eine sehr individuelle Versorgung ermöglichen. Sie sind jedoch immer nur ein Teil des Gesamtkonzepts.
Nicht die Technik entscheidet über die Qualität eines Bewegungsstalls, sondern die Fähigkeit, auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Pferdes einzugehen.
Deshalb lohnt es sich bei der Suche nach einem passenden Stall, nicht nur nach der Bezeichnung zu fragen.
Die wichtigere Frage ist: Wie leben die Pferde dort tatsächlich?
Unser Bewegungsstall in Denkendorf
Du möchtest sehen, wie wir dieses Haltungskonzept im Alltag umsetzen? Auf unserer Stallseite findest du Herde, Anlage, Versorgung und Eingliederung im Überblick.