Warum Pferde im Winter mehr Heu brauchen
Wenn die Temperaturen im Winter sinken, kann der Energiebedarf eines Pferdes steigen. Denn um seine Körpertemperatur konstant zu halten, muss der Körper bei entsprechenden Witterungsbedingungen zusätzliche Wärme erzeugen.
Dabei spielt Heu eine besondere Rolle. Es liefert nicht nur Energie – bei seiner Verdauung entsteht gleichzeitig Wärme.
Der wichtigste „Heizkörper“ des Pferdes steht deshalb nicht im Stall, sondern im Verdauungstrakt.
Die natürliche Heizung des Pferdes
Pferde sind darauf ausgelegt, über viele Stunden Raufutter aufzunehmen. Ein großer Teil der Rohfaser aus dem Heu wird mithilfe von Milliarden Mikroorganismen im Dickdarm verwertet.
Bei diesem Verdauungsprozess entsteht Wärme.
Das macht Heu im Winter besonders wertvoll: Es liefert dem Pferd Energie und unterstützt gleichzeitig die körpereigene Wärmeproduktion.
Nicht jeder kalte Tag bedeutet automatisch mehr Energiebedarf
Pferde können mit niedrigen Temperaturen erstaunlich gut umgehen. Ihr Winterfell bildet eine wirkungsvolle Isolationsschicht und hilft dabei, die vom Körper erzeugte Wärme zu halten.
Deshalb bedeutet ein sinkendes Thermometer nicht automatisch, dass ein Pferd sofort zusätzliche Energie benötigt.
Entscheidend sind die tatsächlichen Bedingungen und das einzelne Pferd. Winterfell, Alter, Körperbau und Stoffwechsel spielen dabei ebenso eine Rolle wie Wind und Nässe.
Gerade deshalb lässt sich der zusätzliche Energiebedarf im Winter nicht an einer bestimmten Temperatur festmachen.
Kälte ist nicht gleich Kälte
Für ein Pferd macht es einen Unterschied, ob es bei trockener und windstiller Kälte draußen steht oder ob Wind und Nässe dazukommen.
Ein trockenes Winterfell kann sehr gut isolieren. Nässe und Wind beeinflussen dagegen, wie viel Körperwärme ein Pferd nach außen verliert.
Deshalb sagt die Temperatur auf dem Thermometer allein noch wenig darüber aus, wie ein Pferd die Witterung tatsächlich empfindet.
Auch das Verhalten gehört zur natürlichen Temperaturregulation. Pferde können geschützte Bereiche aufsuchen und selbst entscheiden, wo sie sich bei den jeweiligen Wetterbedingungen aufhalten möchten.
Wenn der Energiebedarf steigt, wird Heu besonders wichtig
Erreicht ein Pferd den Punkt, an dem Winterfell und die übrigen Möglichkeiten der Temperaturregulation allein nicht mehr ausreichen, benötigt sein Körper zusätzliche Energie zur Wärmeproduktion.
Hier kommt das Raufutter ins Spiel.
Heu liefert die benötigte Energie und erzeugt durch die Verdauung zusätzlich Wärme. Steigt der Energiebedarf aufgrund der Witterung, kann deshalb auch der Bedarf an Heu steigen.
Wie stark, hängt vom einzelnen Pferd und den jeweiligen Bedingungen ab.
Winterfell und Heu ergänzen sich
Das Winterfell und die Verdauung übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben.
Das Fell hilft, die vorhandene Körperwärme zu halten. Die Verdauung des Raufutters trägt dazu bei, neue Wärme zu erzeugen.
Zusammen mit der Möglichkeit, sich frei zu bewegen und bei Bedarf geschützte Bereiche aufzusuchen, verfügt das Pferd damit über verschiedene Möglichkeiten, mit winterlichen Bedingungen umzugehen.
In unserem Bewegungsstall steht den Pferden auch im Winter rund um die Uhr Heu zur Verfügung. So können sie Raufutter unabhängig von festen Fütterungszeiten aufnehmen. Wie wir 24/7 Heu grundsätzlich einsetzen, erklären wir ausführlich in unserem eigenen Artikel zur Heufütterung.
Winterhaltung bedeutet für uns, die Möglichkeiten des Pferdes zu unterstützen
Pferde bringen von Natur aus vieles mit, um mit winterlichen Temperaturen umzugehen: ihr Winterfell, ihre eigene Wärmeproduktion, ihr Verhalten und die Möglichkeit, sich an unterschiedliche Witterungsbedingungen anzupassen.
Unsere Aufgabe ist es, dafür die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Heu spielt dabei eine wichtige Rolle. Nicht einfach deshalb, weil Winter ist, sondern weil Raufutter Energie liefert und seine Verdauung gleichzeitig zur Wärmeproduktion beiträgt.
Wenn ein Pferd bei winterlichen Bedingungen mehr Energie benötigt, ist Heu deshalb weit mehr als nur Futter – es unterstützt eine der natürlichen Möglichkeiten des Pferdes, sich selbst warm zu halten.